Protokoll

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Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Bedeutungen von Protokoll: Vorschrift und Niederschrift. Die Vorschrift ist eine Regel, wie etwas zu tun ist und die Niederschrift zeigt auf, was getan oder gesagt wurde. So kann es für den gleichen Vorgang zwei Protokolle geben. Eines, dass man kennen muss, um den Vorgang korrekt auszuführen und eines, dass belegen soll, dass er korrekt ausgeführt wurde.

Beispiel

Das Protokoll der deutschen Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass man anzeigt (blinkt), wenn man abbiegen möchte. Dann soll man sich davon durch Umschauen überzeugen, dass Abbiegen möglich ist und dann erst abbiegen. Wenn man sich nicht an das Protokoll hält anzeigen oder umschauen unterlässt, riskiert man einen Unfall. Dieser Unfall führt dann zu einer Anzeige anderer Art bei der Polizei und wird dort zu Protokoll genommen. Die Frage ist also, welche Anzeige man besser findet, vorher oder nachher? Oder, wie der Engländer sagt: "Better be save than sorry."

Protokolle sind Form gewordene Erfahrung

Protokoll: Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik

Protokolle entwickeln sich aus Erfahrung. Probleme, die regelmäßig auftreten, sind Anlass für die Entwicklungen von Gegenmaßnahmen, die sich u.a. in Protokollen niederschlagen. Das gilt insbesondere für (zwischenmenschliche) Kommunikation. Insofern gingen Protokolle in Tradition über. Und Tradition wird oft nicht erläutert, sondern nur übernommen. Das bedeutet aber meistens nicht, dass man es nicht erläutern könnte, oder dass man vergessen würde, wozu die tradierten Protokolle dienen. Es bedeutet nur, dass immer mehr ungebildete Menschen es nicht wissen.

Ein Elektriker, der sich nicht an das Protokoll gehalten hat

Allgemeinbildung beinhaltet die Kenntnis des Nutzens der Protokolle. Der gebildete Mensch erkennt nicht nur, wo es ein Protokoll gibt, er kennt nicht nur alle relevanten Protokolle, er weiß auch wozu sie dienen, wie man sie am besten anwendet und wie man sie ggf. anpasst. In so fern haben Protokolle eine Ähnlichkeit mit Taktik, nur dass Taktik, im Gegensatz zu Protokollen, für gewöhnlich nicht allgemein bekannt ist. Wer im konspirativen Kontext eine Parole benutzt, kennt sich mit Taktik aus und nutzt ein an und für sich bekanntes Protokoll in einer Weise, die im Detail nur den wenigen Eingeweihten bekannt ist (oder sein sollte). Die sehr gute Kenntnis der Protokolle eines Gegners bietet viele taktische Vorteile. Unwissenheit über Protokolle führt immer zu Nachteilen, bis hin zum Tod. Siehe Bild!

Man muss nicht jedes Protokoll verstehen. Es ist auch nicht möglich jedes Protokoll zu verstehen, dazu gibt es zu viele auf zu vielen Gebieten. Es genügt, sie zu befolgen. Das allein sorgt schon für das nötige Maß an Sicherheit und Effizienz. Insofern ist ein Protokoll etwas ähnliches wie ein Rezept, entweder ein Erfolgsrezept oder zumindest ein Rezept, wie man nicht stirbt. Wirklich verstehen muss man ein Protokoll, wenn man es an eine veränderte Situation anpassen oder gar verbessern will. Ein Gesetz zu brechen führt i.d.R. nur dann zu unmittelbaren Nachteilen, wenn es zu einer Anklage kommt. Aber ein Protokoll falsch oder gar nicht anzuwenden, führt immer zu Nachteilen.

Grundlegende und optionale Protokolle

Ein Protokoll dient der Erfüllung einer Funktion. Es gibt grundlegende Funktionen und höhere Funktionen. Überleben ist eine grundlegende Funktion und Entwicklung eine höhere Funktion. In wie weit Entwicklung eine Voraussetzung für Überleben ist, hängt von den Umständen ab. auf jeden Fall ist Überleben eine Voraussetzung für Entwicklung.

Ein informationstechnisches Beispiel: E-Mail

So wie der konventionelle Briefverkehr einige grundlegende Protokollelemente beinhaltete, wie die Angabe einer Empfänger-Adresse und das Aufkleben einer Briefmarke, ohne die der Briefverkehr einfach nicht stattgefunden hätte. So gib es auch dort optionale Protokolle wie die Einschreibfunktion oder das Tracking eines Paketes, die die Sicherheit des Verkehrs erhöhen.

Für Informationstechnische Vorgänge sind Protokolle absolut unverzichtbar, weil sie weitestgehend bis völlig automatisiert ablaufen und die Maschine ohne Protokolle absolut unfähig wäre, diese Vorgänge auszuführen. So basiert der heutige E-Mail-Verkehr immer noch auf den beiden Protokollen dewiki:SMTP für das Verschicken und dewiki:POP für den Empfang von E-Mail. Ohne die fehlerfreie Verwendung dieser Protokolle ist E-Mail unmöglich.

Optional ist die Verwendung der Protokollelemente dewiki:Message Disposition Notification und dewiki:Delivery Status Notification die eine ungefähre Entsprechung in den Briefpostelementen Einschreiben/persönlich und Einschreiben/Einwurf haben. Sie erhöhen die Sicherheit in der Übertragung. Die Übertragung im E-Mail-Verkehr ist nämlich keineswegs sicher. Nicht nur ist eine normale E-Mail praktisch offen lesbar wir eine Postkarte im Briefverkehr, es ist für den Absender auch nicht ohne weiteres feststellbar, ob eine E-Mail angekommen ist. Es sollte zwar eine Fehlermeldung geben, wenn eine E-Mail nicht ausgeliefert werden konnte. Aber auch diese Fehlermeldung kann untergehen. Und, ob eine E-Mail im Prinzip ausgeliefert wurde, aber im SPAM-Ordner gelandet ist oder einem ähnlichen Umstand zum Opfer gefallen ist und daher vom beabsichtigten Empfänger nicht bemerkt wurde, kann man bei Verwendung der grundlegenden Protokolle nicht wissen. So bekommt man bei Aktivierung von DSN die Nachricht, wenn eine Mail beim Mail-Server des Empfängers angekommen ist und bei MDN, ob die Mail auf dem Rechner des Empfängers angezeigt wurde. wikipedia:Email tracking ist auch heutzutage noch die Ausnahme und hat zu viele Fehlerquellen. Der Empfänger einer E-Mail kann unmöglich wissen, dass er eine Mail nicht bekommen hat, wenn er vom Absender nicht darüber informiert wurde, dass diese Mail versendet wurde. Daher können Fehler nur entdeckt werden, indem zumindest der Empfang einer E-Mail quittiert wird, damit der Absender eine Chance hat, zu bemerken, dass seine Mail nicht angekommen ist. Auch im Sinne einer jeden zivilisierten Unterhaltung sind Empfangsbestätigungen die Regel. Im E-Mail-Verkehr auf sie zu verzichten, bedeutet, auf eine zivilisierte Unterhaltung zu verzichten. Den Verkehr nicht mittels erweiterter Protokollelemente abzusichern, bedeutet, im taktischen Nachteil zu sein, oder es zu bemerken.

Bei WhatsApp entspricht der erste Haken dem erfolgreichen Abschicken einer Mail, der zweite Haken der DSN und die eingefärbten Haken ✅✅ der MDN. Möge sich jeder überlegen, ob sie oder er schon mal darauf geachtet hat, wie die Haken jeweils sind und ob sie oder er einen Nutzen in diesen Haken für sich selbst gesehen hat.


Ein zwischenmenschliches Beispiel: Begrüßung

Es ist üblich, sich bei der ersten Begegnung des Tages mit einem "Guten Tag!" zu grüßen. Die Form dieses Grußes variiert z.B. hinsichtlich der Region. In Norddeutschland kann das ein "moin moin" sein, in Süddeutschland ein "Grüß Gott". Auf Hochdeutsch wird der Gruß nach Tageszeit variiert, mit "Guten Morgen" vor 12:00 und "Guten Abend" nach 18:00.

In Italien lautet der Gruß "{Ciao} Come stai?" (Wie geht's?), was mit einem "Va bene" (es geht (mir) gut) "e tu?" (und Dir?) gekontert wird. Im Grunde eine reine Formalität. Man erwartet auf die Frage, wie es einem gehe, keine inhaltliche Antwort. Wird das Protokoll aber verletzt und keine Antwort gegeben, wird man aufmerksam und hakt nach. Auch besteht das Protokoll aus kleinen Variationsmöglichkeiten, wie dem Voranstellen eines "Ciao {amigo}!" oder der Variation des "bene" zum "tutto bene" (einschränkendes "ganz gut") bzw. "molto bene" (sehr gut). Auch kann die Eigenauskunft übersprungen werden und direkt mit einem "und Dir?" geantwortet werden, was nicht unhöflich ist, sondern ein Hinweis darauf, dass man Gründe hat, die Eigenauskunft (erstmal) nicht zu machen. Bei Personen, die man kennt und deren Normalantwort man daher kennt, haben diese Variationsmöglichkeiten erhebliche Bedeutung als Abweichung von der Norm, ohne Verletzung des Protokolls. Bei manchen Leuten ist ein "muss ja" als Antwort auf die Frage nach der Befindlichkeit der Standard und keine Einladung, sich näher zu erkunden. Andererseits kann man es als Ausdruck eines chronischen Problems sehen, wenn jemand normalerweise so antwortet.

Ausgehend vom Grundgedanken "Der Ton macht die Musik" kann selbst ein formal streng durchgehaltenes Begrüßungsprotokoll dem genauen Zuhörer sozusagen "im Vorbeigehen" sehr viel über den Zustand von Beziehung und Person verraten. Es können darin sowohl unbewusste wie geheime oder intime Botschaften verpackt oder versteckt sein. "Wahrnehmung geschieht durch Unterschiedsbildung." Wer sich gut kennt und jeden Tag auf die gleiche Art begrüßt, wird selbst eine sehr geringe Verzögerung in der Antwort, die weniger als eine halbe Sekunde dauert, bemerken. Das könnte einem Außenstehenden gar nicht auffallen. Auch wenn das Protokoll als inhaltslose, erstarrte Form erscheint, wird doch tatsächlich jeden Tag eine erhebliche Menge relevante Information übertragen, selbst wenn diese darin bestehen sollte, dass alles "normal" ist, dass man sich keine Sogen zu machen braucht, dass kein Konflikt zwischen den Personen besteht, dass alle noch leben, es ihnen gut geht, oder zumindest wie immer, und dass alle an ihrem gewohnten Platz sind. Auch wenn es den Anschein von Selbstverständlichkeit und langweiliger Normalität hat, ist es dennoch wichtiger Bestandteil des Alltags.